An der Südwand, gegenüber der Eingangstür, hängt eine Holzfigur, die wahrscheinlich den Erzengel Michael darstellen soll. Die Flügelansätze  sind noch zu sehen, wer hat sie wann abgebrochen? Falls es die Figur eines Michael darstellen soll, fehlt das Schwert in seiner linken Hand und unter der Figur fehlt der “Feind” : ein Drache oder eine Schlange.

Michael bekämpft das Böse, das uns den Weg in die andere Welt versperrt. Er ist es, der unsere Seele hinüberbegleitet, durch den Tod in eine helle Welt. Dazu bedarf es, alle Hindernisse zu bekämpfen. Gewöhnlich gehört diese Engelsgestalt in den Westen einer Kirche, also an die Wand, die dem Osten, der Auferstehung, entgegensteht, unserm Tod. Gewöhnlich ist im Westen der Eingang und der Ausgang des Kirchenraumes.  Also, wenn wir hinausgehen, sollen wir noch einmal dem Michael begegnen, der uns versichert, uns beizustehen, wenn es gilt, den letzten Schritt hinaus zu tun.

Bei uns fällt der Blick auf ihn, wenn wir hineinkommen in die Kirche. Und wenn wir gehen und vielleicht noch eine Kerze anzünden dann ist er es, der darüber wacht und wir vertrauen es ihm an, das Licht der Kerze zu hüten.

Noch zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hing der Engel rechts neben dem Kruzifix. Es gab in der Gemeinde Menschen, vor allem die Frauen, die sagten: warum ist die Mutter Gottes kleiner dargestellt als ihr Sohn? Dieser Holzengel ist so freundlich, so mütterlich in der Ausstrahlung, dass sie ganz selbstverständlich ihn als Mutter Gottes erkannten. So hat unser Michael eine gute Geschichte zu erzählen. Noch heute begrüßt er die Ankommenden und verabschiedet die Gehenden mit seinem besonderen Segen.

Christiane Joos